|
|
|
Klick auf blau-fette Textstellen verbindet mit zugehörigem
Bild
Die Israelreise der Pfarreien St. Ulrich Walchensee und St. Ambrosius
Hergensweiler
Irmgard Koza, Walchensee, 16.02.2005
1. Tag: Freitag, 4. Februar
2005 - Anreise nach Israel
8.15 Uhr am Flughafen sein
6.oo Uhr Abfahrt Walchensee mit einem Bus
Noch am Vortag tiefer Schnee, Lawinensprengung am Kesselberg, 100 Flüge
in München gestrichen. Bange Frage: Können wir fahren? Und
wie transportieren wir die schweren Koffer zu Bus?
Annemarie Lorenz weiß Rat. Sie bringt meinen Koffer schon am Vortag
zum Busunternehmen.
Heute sind die Straßen zum Glück passierbar.
In Urfeld verabschiedet uns Pfarrer Peter Zitta. Er erinnert uns daran,
dass wir sozusagen in den Fußstapfen unseres Bundespräsidenten,
Horst Köhler, reisen, der kurz zuvor Israel besucht hat. Im Flughafen
liegen Zeitungen aus mit seiner Rede, die in der Knesseth positiv aufgenommen
wurde.
Wir treffen die übrigen Teilnehmer der Reise, unter ihnen Winfried
Philipp, der uns gemeinsam mit Dr. Achim Buckenmaier während der
ganzen Reise begleiten wird.
Im Hochsicherheitstrakt des Flughafens werden wir 2 Stunden lang kontrolliert:
Einzelbefragungen: Hat Ihnen jemand ein Gepäckstück mitgegeben?
(Könnte eine Bombe enthalten!)
Mehrfache Reisepasskontrollen, Durchleuchtung
des Gepäcks, Körperkontrolle, Schuhe ausziehen.
Aber umso sicherer fühlen wir uns.
Endlich hat jeder seinen Platz im Flieger erhalten. Um
10.35 Uhr hebt das Flugzeug ab. Wir glauben zu träumen.
Ein Jahr lang haben wir uns auf diese Reise vorbereitet und gefreut.
Nach einem ruhigen Flug landen wir planmäßig um 15.15 Uhr
auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel
Aviv. "Willkommen in Israel" empfängt
uns eine Leuchtschrift.
Unter den vielen Menschen unterschiedlicher Rassen zwei Bekannte: Hermann
Jaklitsch und Manfred Groß. Sie begrüßen uns herzlich
und geleiten uns zu dem Reisebus, der uns nun täglich durch das
Land fahren wird.
In Israel ist Regenzeit. Es regnet fast ununterbrochen. Der Sabbat hat
begonnen; der Autoverkehr hört fast vollständig auf.
Unser erstes Ziel, das Pilgerhospiz am Berg der Seligpreisungen, erreichen
wir nach zwei Stunden Fahrt durch Galiläa. Leider wird es schnell
dunkel. Aber wir erkennen durch die beschlagenen Busscheiben: Das Land
ist grün, bedeckt mit vielen Büschen und Bäumen, die
allerdings alle im Sommer künstlich bewässert werden müssen.
Im Hospice Beatitude begrüßt uns eine freundliche Ordensschwester,
eine Syrerin, auf Französisch. Wie gut, dass Achim Buckenmaier
dolmetscht!
Ein wunderbares Essen erwartet uns: Fenchelsuppe, Hähnchen mit
Kräutern, buntes Gemüse, Salat und als Nachtisch frische Äpfel
aus Syrien.
Die Schwester berichtet, dass gestern Horst Köhler mit seiner Gattin
und seinen Begleitern hier Kaffee getrunken hätten. Und dann flüstert
sie Achim Buckenmaier etwas zu, worauf er zusammenzuckt: Er wird im
selben Zimmer übernachten wie im Jahr 2000 der Hl. Vater.
|
|
|
|
2. Tag: Samstag, 5. Februar
2005 - Am See Genezareth
Als wir morgens aus dem Fenster blicken, sehen wir auf den See
Genezareth. Das Haus liegt in einem Garten von Dattelpalmen
und Orangenbäumen mit reifen Früchten.
Nach einem kurzen Morgengebet und einem Frühstück mit Fladenbrot
starten wir zu einer Rundfahrt um den See. Es regnet leicht, und das
Thermometer im Bus zeigt 10 °. In Galiläa ist Frühling.
An den Hängen überall rosa und gelbe Blumen, deren Namen wir
nicht kennen, dazu Tulpen, Rosen und ganze Hecken pinkfarben blühender
Bougainvillea und zu unserer Verwunderung weitläufige Bananenplantagen.
Bald erreichen wir Chorazim,
wo eine Synagoge aus der Zeit Jesu ausgegraben wurde. Interessant ist,
dass dicht neben der Synagoge das rituelle Bad liegt. Achim Buckenmaier
erklärt uns, dass das Judentum keine magische Religion sei, sondern
sich intensiv der Welt zuwende, wozu auch der eigene Körper gehöre.
Wegen des Sabbats sind die Straßen wie ausgestorben.
Kapharnaum
liegt unmittelbar am See Genezareth. Es ist das Zentrum des Wirkens
Jesu in Galiläa. Hier sind Reste der Synagoge ausgegraben, in der
Jesus gelehrt und geheilt hat. Auch ein Teil des Dorfes wurde freigelegt
in unmittelbarer Nähe zur Synagoge.
Man glaubt, dass Kapharnaum zur Lebenszeit Jesu etwa 1500 Einwohner
hatte, Fischer, Handwerker, Bauern, Händler und Zöllner. Ein
römischer Hauptmann, der dem Judentum nahe stand, erbaute die Synagoge.
Wir lesen miteinander aus dem Matthäus-Evangelium. Der Text wird
lebendig:
Hier heilt Jesus die Tochter des Synagogenvorstehers, hier betet und
lehrt er, hier heilt er einen Besessenen und treibt böse Geister
aus. In der Synagoge von Kapharnaum spricht Jesus vom Brot des Lebens.
Am See beruft er Fischer zu seinen Jüngern.
Die ausgegrabene Synagoge gilt als eine der schönsten in Galiläa.
Allerdings hat Jesus in einer älteren Synagoge gelehrt, von der
einige Reste ausgegraben wurden.
Das Haus des Petrus, in dem auch Jesus gewohnt hat, diente den Christen
viele Jahre als Versammlungsraum. Heute ist eine moderne Kirche mit
Glaswänden darüber erbaut. Aber Ausgrabungen in unmittelbarer
Nähe zeigen Teile des ehemaligen Wohnviertels.
Wände und Pflastersteine sind aus heimischem schwarzem Basaltstein.
Die Häuser waren wahrscheinlich 3 m hoch, einstöckig und mit
einem leichten Dach aus Holzbalken und einem Lehm-Stroh-Gemisch gedeckt.
Das eigentliche Zentrum des Hauses ist der Innenhof, um den sich überdachte
Räume gruppieren. Hier spielte sich das Alltagsleben ab. Hier standen
die Mahlsteine und Öfen, hier arbeiteten die Handwerker, und im
Sommer schlief man hier auf Matten. Drei Familien teilten sich einen
Innenhof, die Familien des Petrus, Andreas und Jakobus.
(Literatur: Christa Mallach: Heiliges Land, Stanislao Loffreda: Kapernaum)
Die Überfahrt über den See Genezareth ist ein weiterer Höhepunkt
dieses Tages.
Es ist ein windiger, regnerischer Tag, und die leichten Holzboote
an der Anlegestelle in Kapharnaum schaukeln, dass man schon vom Zuschauen
seekrank werden kann.
Glücklicherweise dürfen wir ein etwas stabileres Schifflein
besteigen, trotzdem fällt es schwer, auf dem glitschigen Deck das
Gleichgewicht zu halten. Wir fühlen uns in die Zeit des Evangeliums
versetzt, wo die Apostel im Boot Angst bekommen und Jesus den Sturm
stillt. Nass und durchgefroren erreichen wir nach einer guten Stunde
das gegenüberliegende Ufer. Überall an den Klippen stehen
Angler, die Petri-Fische fangen und anscheinend recht erfolgreich sind.
Im Kibbuz-Restaurant Ein Gev probieren wir diese Spezialität
.
Der Kibbuz hat sich auf Gästebewirtung spezialisiert. Auffallend
viele junge Leute arbeiten hier oder sitzen in dem riesigen Speisesaal.
Unsere Bedienung ist ein junges Mädchen aus Deutschland, das hier
ein Praktikum absolviert.
Nazareth
ist unser nächstes Ziel.
Zu Lebzeiten Jesu ein unbedeutendes Bergdorf, ist es heute eine größere
Stadt mit der Verkündigungskirche als Mittelpunkt. Durch den arabischen
Basar gelangen wir dorthin. Die Kirche ist ein moderner Bau, der in
den Sechzigerjahren über mehreren Vorgängerkirchen errichtet
wurde. Ein alter Franziskanerpater empfängt uns und erklärt
uns zu unserem großen Staunen die Kirche in westfälischer
Mundart. Bruder Thaddäus stammt aus der Gegend zwischen Paderborn
und Emsdetten. Er lebt schon seit 18 Jahren in Jerusalem und ist der
einzige Deutsche in seinem Kloster. Neben der Verkündigungsgrotte
zeigt er uns eine Ausgrabung aus neuerer Zeit, eine Wohngrotte
in einem Felsen, wie sie die hl. Familie bewohnt haben könnte.
Wohngrotten seien sehr angenehm, im Sommer kühl und im Winter warm.
Festliches Abendessen in Beit
Gabriel
Das ist ein Kulturzentrum, das eine amerikanische reiche Witwe gestiftet
hat zur Erinnerung an ihren toten Sohn Gabriel.
In einem sehr gepflegten Speisesaal essen wir gemeinsam
Als Vorspeise: Kräuterbrot
Als Hauptgang: Gegrillter Petrifisch, Pilze in Blätterteigtaschen,
mit frischem Rukola, Tomaten, Sprossen, Pilzen usw.
Als Nachspeise: Nusseis, Kaffee
|
|
|
|
3. Tag: Sonntag, 6. Februar
2005 - Galiläa
Gottesdienst
in der Kapelle
vor dem Hospiz auf dem Berg der Seligpreisungen
Ein gemeinsamer Gottesdienst der Pfarreien St. Ambrosius und St. Ulrich
in Galiläa.
Drei Priester: Pfarrer Joachim Lang, Pfarrer Igo Gassner, Pfarrer Achim
Buckenmaier
Arnim Esslinger ministriert. Bernhard Schumacher musiziert.
Die Sprecher und die Schola sind aus beiden Pfarreien gemischt. Wir
hören die Seligpreisungen.
In seiner Homilie erinnert Achim Buckenmaier an unser Abendessen und
sagt u.a. sinngemäß:
"In Beit Gabriel sahen wir gestern Abend gute Werke, die schönste
Umgebung, das beste Essen, der köstlichste Wein
.
Was tut man zum Schluss? Man geht zum Hausherrn, dem Hotelmanager und
bedankt sich.
Und was antwortet dieser?
Das ist Israel! Das ist unser Team!
So sollen auch wir gute Werke tun, aber am Schluss nicht uns selbst
auf die Schulter klopfen, sondern dafür Gott loben..."
Nach dem Gottesdienst fahren wir nach Tiberias.
Herodes Antipas erbaute die Stadt 20 n. Chr. Zu Ehren des Kaisers Tiberius
nannte er sie Tiberias.
Heute ist sie ein Touristenzentrum, Kur- und Badeort. Aber die Strandpromenade
ist verwaist. Die Restaurantbesitzer haben kaum Gäste und bitten
uns flehentlich hereinzukommen, was wir gern tun.
Der Tag klingt aus mit der Sonntagsvesper
bei den Benediktinern in Tabgha, dem Ort der Brotvermehrung.
|
|
|
|
4. Tag: Montag, 7. Februar 2005
- Golanhöhen und Jordantal
Nach einem herzlichen Abschied von den Schwestern auf dem Berg der
Seligpreisungen beginnen wir den längsten Abschnitt unserer Reise:
von den Golanhöhen im Norden bis in den Süden der Wüste
Negev, ca. 300 km Fahrt.
Zunächst sehen wir ein letztes Mal den See
Genezareth mit seinen grünen Ufern. Lange
Ketten von Wildgänsen ziehen über ihm dahin.
Der See Genezareth ist 21 km lang, und die breiteste Stelle misst 12
km. Er liegt 210 m unter dem Meeresspiegel. Der See wird vom Jordan
gespeist und ist der wichtigste Süßwasserspeicher für
Israel. Eine Pumpstation wird militärisch streng bewacht.
Bald haben wir die Golanhöhen erreicht, etwa 700 m hoch. Das Thermometer
im Bus fällt bis auf 5 °. Es regnet.
Ein israelischer Reserve-Offizier steigt zu uns in den Bus, um uns bis
zum nächsten Militärstützpunkt zu begleiten. Er spricht
fließend Deutsch, obwohl er nie in Deutschland war und ist sehr
freundlich und zugewandt.
Im Informationsraum des Militärstützpunkts
beantworten unser Begleiter sowie eine Soldatin und drei Soldaten unsere
Fragen.
Bis zum 18. Lebensjahr geht man in Israel zur Schule. Dann folgen für
die Männer 3 Jahre und für Frauen 2 Jahre Militärzeit.
Bis auf wenige Ausnahmen, z.B. ultraorthodoxe Juden, absolvieren alle
diesen Dienst. Erst danach beginnen Berufsausbildung oder Universitätsstudium.
Nachdem wir einen Teil des Militärgeländes
besichtigt haben, geht die Fahrt weiter in Richtung Jordantal.
Wir staunen über das begrünte Land. Wir fahren an Obst- und
Gemüseplantagen vorbei, sogar ausgedehnte Bananenplantagen und
Palmenhaine
sehen wir. Bei näherem Hinschauen entdecken wir an allen Pflanzen
Bewässerungsschläuche.
Im Jordantal
kaufen wir Proviant, z.B. Mandarinen, das Kilo für 2 Schekel, etwa
40 Cent.
Nach und nach wird das Land trockener, das Grün seltener. Wir sind
in der Wüste.
Der Regen hat aufgehört, das Thermometer steigt bis auf 18 °,
unser wärmster Tag in Israel.
Das Tote Meer, die Festung Massada, Ankunft
in Mitspe Ramon
Das Tote Meer liegt fast 400 m unter dem Spiegel des Mittelmeeres,
es ist der tiefste Punkt der Erde. Hier endet der Jordan , der neben
zahleichen Quellen zum Wasserstand des Toten Meeres beiträgt. Die
ersten mutigen Touristen liegen bereits ohne Schwimmbewegungen auf der
Wasseroberfläche.
Auch viele von unserer Pilgergruppe ziehen Schuhe und Strümpfe
aus. Jeder probiert zumindest einmal den Geschmack des Wassers. Oh,
wie salzig!
Wir setzen unsere Busfahrt fort durch die Wüste fort und erblicken
bald in der Ferne Massada. Mit einer Seilbahn fahren wir hinauf, 400
m hoch.
Auf diesem Felsenplateau ließ Herodes einen Palast
errichten, der als uneinnehmbar galt. Im Kampf gegen die Römer
fanden ab 66 n. Chr. hier 1000 Personen jahrelang Schutz, zumeist Zeloten
mit ihren Frauen und Kindern und Essener.
Wir entdecken auf unserem Rundgang riesige Lagerhäuser für
Lebensmittel und eine große Zisterne,
in der das Wasser mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems gesammelt
wurde. Auch sehen wir Überreste einer Synagoge,
Säulen, Mosaikfußböden, ein Bad mit Fußbodenheizung,
eine Ansammlung dicker Steinkugeln, die als Wurfgeschosse dienten.
Eindrucksvoll ist der Blick von hier oben auf die gelbbraune Wüstenlandschaft
ringsum mit ihren tiefen Schluchten und Kratern.
Nachdem die Römer Jerusalem erobert hatten, setzten sie ihren ganzen
Ehrgeiz darein, auch den letzten Widerstand der Juden zu brechen und
belagerten ab 72 n. Chr. die Festung Massada, ein Heer von 10000 Mann.
Monatelang waren sie erfolglos. Dann schütteten sie eine Rampe
auf, auf der sie mit ihren Kriegsmaschinen Zugang zu der Festung bekamen.
Als sie jedoch die im Jahr 73 die Mauer durchbrachen, hatten die Belagerten
den Freitod gewählt.
Die Geschichte Massadas gab den Juden in der Nazizeit Kraft zum Aufstand
im Warschauer Ghetto und später den Mut, den Staat Israel auszurufen
und zu verteidigen.
In Israel geht die Sonne etwa zur gleichen Zeit unter wie in Deutschland,
mit einer Stunde Zeitverschiebung. Gegen 17 Uhr beginnt jetzt im Februar
die Dämmerung, und es wird empfindlich kalt.
Erschöpft von den vielfältigen Eindrücken dieses Tages
und durchgefroren erreichen wir abends das südlichste Ziel unserer
Reise, die Wüstenstadt Mitspe
Ramon. Im Hotel werden wir freundlich empfangen, mit heißem
Tee zum Aufwärmen. Kurz darauf erhalten wir ein köstliches
Essen. Unsere Zimmer sind moderne Apartments mit Schlafzimmer, kleinem
Wohnzimmer, Miniküche und Bad. Sauna und Schwimmbad stehen zur
Verfügung, dazu elegante Speise- und Aufenthaltsräume, mit
prasselndem Kaminfeuer. Alles ist da, nur der Aufzug fehlt. Hotelbedienstete
schleppen unser Gepäck bis in den vierten Stock.
|
|
|
|
|
|
5. Tag: Dienstag, 8. Februar
2005 - Die Wüste Negev
(Text von Richard Wiederkehr und Irmgard Koza)
In einem separaten Raum des Hotels Ramon Inn beginnen wir den Tag mit
einem gemeinsamen Morgengebet.
Anschließend können wir uns am Frühstücksbüfett
mit allen erdenklichen pikanten und süßen Speisen des Orients
bedienen.
Es folgt eine kurze Besichtigungsfahrt durch die Stadt. Mitspe Ramon
ist eine von mehreren sog. Entwicklungsstädten, die ab den Fünfziger
Jahren in der Wüste gebaut wurden. Von einem solchen Mittelpunkt
aus kann das Land ringsum Stückchen für Stückchen kultiviert
werden. Voraussetzung ist der Anschluss an die Wasserleitung, die das
Wasser vom See Genezareth aus herführt. Es gibt einige bescheidene
Grünflächen, die aber alle künstlich bewässert werden
müssen. Wir sehen einen kleinen Kinderspielplatz. Ein Mann führt
einen Hund spazieren. Alle Straßenschilder sind außer in
hebräischen, lateinischen und arabischen Schriftzeichen auch in
Kyrillisch beschriftet, denn hier leben überwiegend Juden aus Russland.
Der höchstgelegene Punkt der Stadt ist das Kulturzentrum.
Von dort haben wir einen wunderbaren Rundblick auf einen Canyon.
Ein Steinbock
mit einem großen Geweih stolziert durch das Gelände.
Bald fahren wir auf einer gut ausgebauten Straße weiter in die
Wüste hinein. Hin und wieder ein Verkehrsschild:
Achtung, Kamele! Und wirklich, hier und da sehen wir einzelne Tiere
in den Bergen. Das einzige Fahrzeug, an das ich mich erinnern kann,
ist ein Schulbus, der die Beduinenkinder bei ihren Wellblechsiedlungen
abholt und zur Schule bringt oder zurück.
Revivim
Wir erreichen Revivim,
einen Kibbuz im Süden der Wüste Negev.
Herr
Weichselbaum, ein Deutscher, begrüßt uns freundlich und
zeigt uns die ursprünglichen Gebäude des Kibbuz, die heute
ein Museum
sind. Dabei erzählt er uns seine Geschichte:
Als 4-jähriges Kind kam er 1934 mit seinen Eltern von Berlin nach
Israel, wo sein Vater zunächst in Tel Aviv ein gut gehendes Friseurgeschäft
betrieb. Später zog die Familie nach Haifa. Als Jugendlicher hätte
Herr Weichselbaum dort Arbeit finden können. Aber stattdessen schloss
er sich der Kibbuz-Bewegung an. Ursprünglich wollte er in ein Kibbuz
am Toten Meer gehen, doch er wurde dann nach Revivim geschickt, weil
die Besiedelung der Negevwüste aus politischen Gründen seinerzeit
vordringlich erschien.
Er war mit dem Autobus eine Woche lang unterwegs, um hierher zu gelangen.
Der Boden war von Beduinen gekauft worden. Revivim ist einer der Orte
in der Wüste mit dem geringsten Niederschlag, keine 100 mm im Jahr.
Hier lebt Herr Weichselbaum seit 55 Jahren.
Das Leben hier war sehr hart. Eine Wasserleitung gab es noch nicht,
und die Kibbuzniks mussten anfangs notgedrungen salzhaltiges Wasser
trinken. Sie lebten in winzigen, primitiven Hauschen, innen ein roh
gezimmerter Esstisch, mit Blechgeschirr gedeckt, einziger Schmuck an
der Wand eine gerahmte Kunstkarte, " der Flötenspieler"
von van Gogh..
In den Kleiderschränken liegen noch die mit Blumen bestickten Blusen
der Frauen. Da es keine blühenden Pflanzen ringsumher gab, sollten
die Kinder wenigstens Bilder von Blumen kennen lernen.
Während der Kriege wurde der Kibbuz von Feinden umzingelt und
beschossen.
Die Bewohner bauten sich einen kleinen Bunker,
der auch als Lazarett diente und verteidigten sich mit Gewehren. An
einer Wand lehnt noch ein Dutzend Waffen.
Mit zwei kleinen Flugzeugen gelang es den Kibbuzniks, den Belagerungsring
zu durchbrechen und Nachschub zu holen.
Bei ihrer Arbeit erlebten sie viele Rückschläge. Manche Personen
wurden krank, starben oder gingen fort.
Besonders schwer war die Einsamkeit in der Wüste zu ertragen. Es
gab keine Nachbarn, keine Geschäfte, keine kulturellen Möglichkeiten.
Herr Weichselbaum erhielt von seinen Verwandten ein Radio geschenkt,
eine große Hilfe. Er konnte es aber nicht für sich allein
behalten, weil es im Kibbuz kein Privateigentum gibt. So wanderte das
Radio von Zimmer zu Zimmer. Wir sehen es noch in einem der Häuschen
stehen.
Trotz aller Schwierigkeiten siegten immer wieder der Wille zum Überleben
und der Humor. Aus einem der Häuschen auf dem Museumshügel
hört man lautes Schnarchen. Auf einer Liege schläft ein Kibbuznik,
eine lebensgroße Puppe, unter einer grauen Decke und schnarcht
heftig.
"Es waren viele lange und schwere Jahre", erzählt Herr
Weichselbaum weiter.
Wie sollte man die Wüste fruchtbar machen? Es gab viele Diskussionen
darüber, viele Versuche, viele Fehlschläge, viele Tränen,
aber zuletzt doch Erfolge.
Im Jahre 1943 lebten nur drei Personen in Revivim. Heute hat der Kibbuz
300 Mitglieder aus drei Generationen. Z. B. halten sie 900 Milchkühe,
eine Kreuzung von holsteinischen und arabischen Rindern. Ihr Kuhstall
ist einer der besten in ganz Israel.
Außerdem betreiben sie eine erfolgreiche Hühnerzucht und
konnten schon Millionen von Küken im ganzen Land verkaufen.
Heute gibt es einen Anschluss an die staatliche Wasserleitung, die das
Wasser vom See Genezareth herführt. Israelische Kraftwerke erzeugen
den notwendigen Strom.
Auf unserer Fahrt durch die Wüste kamen wir an einem konventionellen
Kraftwerk vorbei und sahen außerdem von weitem ein Solarkraftwerk
mit einem der größten und modernsten Spiegel der Welt. Computer
richten die Spiegel jederzeit optimal auf die Sonne aus.
Der Kibbuz ist nicht reich, kann aber wirtschaftlich existieren.
Herr Weichselbaum hat 5 Söhne. Einer von ihnen wohnt in Revivim.
Zwei andere leben in einem städtischen Kibbuz. Die anderen gehen
ihren eigenen Weg. "Wir haben früher auch anders gehandelt
als unsere Eltern", ist sein Kommentar dazu.
"Inzwischen hat sich im Kibbuz vieles geändert", fährt
Herr Weichselbaum fort. "Seit 4 Wochen zahle ich zum ersten Mal
Geld für mein Essen. Nach 55 Jahren ist das schon komisch. Doch
wenn es so richtig ist, dann ist es auch für mich ok."
Nach unserem Rundgang verabschiedet sich Herr Weichselbaum und radelt
zu seiner Arbeitsstelle in der kibbuzeigenen Fabrik.
Während wir uns in der Kantine bei Pfefferminztee (mit frischen
Kräutern, eine orientalische Spezialität) und Kaffee aufwärmen,
kommt er noch einmal zurück. Er habe ganz vergessen uns zu sagen,
dass in seinem Betrieb Präzisionsteile wie z. B. Einspritzpumpen
gefertigt würden u. a. auch für die deutsche Autoindustrie.
Er wollte das noch sagen, sonst würde er von seinen Kollegen ausgeschimpft.
Sde Boker
Gegen Mittag fahren wir zum Kibbuz
Sde Boker.
Er liegt nur wenige Kilometer von Revivim entfernt, natürlich ebenfalls
in der Wüste.
Elischa
Zurgil empfängt uns mit großer Freude. Er gehört
zum Urfelder Kreis. Einige von uns kennt er bereits persönlich.
Sein Beruf: Spezialist für Wüstenlandwirtschaft.
Unser erster Eindruck:
Überall grünt und blüht es. Nahezu jeder Quadratmeter
Land ist bepflanzt, meist mit dickfleischigen, kakteenartigen Gewächsen,
Bodendeckern, Sträuchern, Dattelpalmen. Dazwischen sauber gepflasterte
Wege, die zu einzelnen Gebäuden führen. Wir sehen Kinderspielplätze
und sogar einen kleinen Zoo und ein Freibad.
Herr Zurgil erklärt uns, dass es ihnen nach vielen Versuchen gelungen
sei, Pflanzensorten zu züchten, die man mit salzhaltigem Wasser
gießen kann, vor allem Dattelpalmen und sogar Wein. Außerdem
wird das Abwasser gesammelt und dient zum Bewässern der Plantagen.
Später sehen wir in einiger Entfernung zum Kibbuz ein großes
Becken. "Das ist intelligentes Wasser", erklärt uns Herr
Zurgil augenzwinkernd, "das Duschwasser der Studenten"!
.
Aber zunächst führt er uns zum Dining
Room, einem hellen und geräumigen Esssaal. Alles ist darauf
eingerichtet, eine große Anzahl von Personen zu verköstigen
mit Selbstbedienung und anschließendem Abräumen des Geschirrs
auf ein Förderband, das die Sachen in die Spülmaschine befördert.
Bernhard Schumacher trifft den international bekannten Komponisten Michael
Wolpe.
Herr Zurgil begleitet uns den ganzen Nachmittag. Zunächst schauen
wir uns einen kürzlich in den USA besonders ausgezeichneten Videofilm
über die Anfänge des Kibbuz an.
Ähnlich wie in Revivim begann zunächst eine kleine Gruppe,
10 junge Männer und 3 Mädchen, das Land zu besiedeln.
Eines Tages, Ende 1953, lernte David Ben- Gurion den Kibbuz kennen.
In einem Prospekt heißt es dazu: "Irgendwann gegen Ende
des Jahres 1953 war ich auf dem Rückweg von Eilat nach Jerusalem.
Ich näherte mich dem heutigen Sde Boker und sah eine Gruppe von
Jungen und Mädchen sowie einige Zelte, die ich früher nie
wahrgenommen hatte. Ich hielt an und erkundigte mich bei den Jugendlichen
über ihre Aktivitäten. Sie erzählten mir, in diesem Gebiet
während des Unabhängigkeitskrieges gekämpft zu haben
und dass hier vor 2000 Jahren Menschen lebten. Sie waren entschlossen,
diesen Ort erneut zu besiedeln. Mich haben diese Worte zutiefst bewegt,
denn ich kannte die Lage des Negev gut genug, es gab außer salzhaltiger
Erde nichts. Alles musste aus dem Nichts entstehen. Ich beschloss an
Ort und Stelle, mich den Jugendlichen für ein oder zwei Jahre anzuschließen.
Denn dieses war das Ideal, was mich ins Land gebracht hat - alles neu
aufzubauen, mittels eigener Kraft".
Die Kibbuzversammlung, die alle wichtigen Angelegenheiten beschloss,
diskutierte heftig.
Einzelne Personen befürchteten Einschränkungen ihrer Freiheit
und den Presserummel. Aber die Mehrheit der Versammlung war einverstanden,
Ben-Gurion und seine Frau Paula als Kibbuzmitglieder aufzunehmen. Ben-Gurion
war damals 67 Jahre alt. Er war in diesem Jahr von seinem Amt als Ministerpräsident
zurückgetreten, kehrte aber 1955 für nochmals acht Jahre in
die Regierung zurück. Er blieb bis zu seinem Tode 1973 Mitglied
des Kibbuz Sde Boker.
Von ihm stammt der Satz: Nur wer träumt, ist ein Realist."
Herr Zurgil zeigte uns das schlichte, einstöckige Holzhaus,
in dem Ben-Gurion und seine Frau bis zuletzt wohnten. Alles ist wie
zu ihren Lebzeiten belassen: drei einfach möblierte Zimmer, Küche,
Bad. Hier
empfing Ben-Gurion hohe Staatsgäste, z. B. De Gaulle und Konrad
Adenauer. Herr Zurgil weist uns im Haus auch auf ein Foto von seinem
eigenen Hochzeitstag hin, das Ben-Gurion aufbewahrt hat.
"Ich kannte ihn schon, bevor er zu einem Flughafen wurde",
lacht er. Er spricht mit großer Hochachtung von Ben-Gurion.
Dieser verlangte im Kibbuz keine Sonderbehandlung. Getreulich versah
er wie jeder Kibbuznik seine Gemeinschaftsaufgaben. Er half bei der
Ziegenzucht und kontrollierte jeden Tag die Wetterstation. Heute hätte
er seine helle Freude gehabt: Es regnet.
Herr Zurgil begleitet uns im Bus zu den Steingräbern des Ministerpräsidenten
und seiner Frau, in der Nähe der Universität gelegen, direkt
an einem Steilhang mit dem grandiosen
Blick auf die Wüste Zin. Diese ist ein tief liegender
Grabenbruch und wird schon in der Bibel erwähnt im Zusammenhang
mit dem 40-jährigen Zug der Moses-Leute durch die Wüste.
Eigentlich wollte uns Herr Zurgil die von ihm angelegten Weinberge
zeigen. Aber wegen des windigen, nasskalten Wetters ist dieser Besuch
leider nicht möglich. So verabschieden wir uns und kehren mit dem
Bus nach Mitspe Ramon in unser Hotel zurück.
|
|
|
|
6. Tag: Aschermittwoch, 9. Februar
2005
Wir verlassen frühzeitig das Hotel Ramon Inn zum letzten Abschnitt
unserer Reise über Beer
Sheba nach Norden in Richtung Jerusalem. Gegen Mittag erreichen
wir das Gästehaus der Josephsschwestern hoch oberhalb von
Abu
Gosh. Schon von weitem sehen wir die dazugehörige Kirche mit
ihrer großen Muttergottesstatue,
"Unsere Frau der Bundeslade".
Wir erfahren, dass die Bundeslade an diesem Ort 50 Jahre lang gestanden
hat, nachdem die Philister 1050 vor Chr. die Israeliten besiegt und
die Lade als Beute geraubt hatten. König David holte sie von hier
aus in einem feierlichen Zuge ab und brachte sie nach Jerusalem.
Wie schon das Hospice Beatitude auf dem Berg der Seligpreisungen ist
auch dieses Gästehaus umgeben von einem schönen Garten mit
Blumen und Früchten.
Schwester
Catherine aus Irland sorgt sich mit ihren jungen
philippinischen Helferinnen rührend um jeden von uns, sie besucht
auch unsere Kranken auf ihren Zimmern.
Am Nachmittag fährt die Gruppe zum Ölberg, schaut bei eisigem
Wind zum ersten Mal auf die Altstadt von Jerusalem
und feiert in der Kirche "Dominus
Flevit" den Aschermittwochgottesdienst.
Außerdem beteiligt sie sich an einer Baumpflanzaktion
und pflanzt ca. 50 Zypressen an einem Hang in der Nähe von Jerusalem.
|
|
|
|
7. Tag: Donnerstag, 10.
Februar 2005 - Bethlehem
Nach einem Morgengebet und dem Frühstück bei den Schwestern
fahren wir nach Bethlehem. Unterwegs steigen wir in einem hochmodernen
Einkaufszentrum
aus, um nötige Reiseutensilien zu kaufen, besonders Taschentücher
und Medikamente gegen Erkältung. Am Eingangstor wird jeder einzeln
auf Waffen und Sprengstoff kontrolliert.
Drinnen eine Überraschung: Wir treffen Christine und Manfred Groß,
die hier ebenfalls Einkaufe machen.
Bethlehem liegt auf palästinensischem Gebiet. Wir müssen
einen Kontrollpunkt passieren, vor dem bereits viele Autos auf Abfertigung
warten. Aber unser Fahrer, ein arabischer Christ aus Nazareth, versteht
es, Wartezeiten zu vermeiden. Er teilt den Kontrolleuren mit, dass wir
eine deutsche Pilgergruppe mit einem Bischof seien, und der Bus wird
sofort durchgewunken.
In Bethlehem wurde Rahel, die Frau Jakobs, begraben. Hier lebten Boas
und Ruth. Hier wurde David geboren.
Im Mittelpunkt Bethlehems steht die Kirche, die an die Geburt Jesu erinnert.
Sie geht auf Helena und Kaier Konstantin zurück und ist die älteste
christliche Kirche im Heiligen Land, die noch benutzt wird. Heute gehört
sie der römischen Kirche, den Griechisch-Orthodoxen und den Armeniern.
Wir betreten die Kirche durch das "Tor der Demut", das den
Eintritt nur in gebückter Haltung zulässt. (Der Grund: Schutz
vor Feinden)
Von dem großen, reich geschmückten Chorraum aus steigen wir
Treppen hinab in die Geburtsgrotte.
Das ist ein kleiner, von zahlreichen Lampen erhellter Raum. Vor dem
Altar ist der Fußboden mit Marmor belegt und darin eingearbeitet
sehen wir einen silbernen Stern
mit der Inschrift "Hic de Virgine Maria Jesus Christus natus
est".
Wir lesen das Lukas-Evangelium von der Geburt Jesu.
Bald tritt eine weitere Pilgergruppe ein, anscheinend Asiaten. Es sind
Männer und Frauen jeden Alters. Alle tragen die gleichen weißen
Gewänder. Es gibt keinerlei Kontakte zwischen uns, und wir verlassen
die Kirche.
In den Straßen empfangen uns viele fliegende Händler, die
sich teils per Handy über die Ankunft einer neuen Pilgergruppe
verständigen. Unser Fahrer bittet uns, unsere Reiseandenken
in einem bestimmten Geschäft bei arabischen Christen einzukaufen,
die hier in großer Armut lebten.
|
|
|
|
8. Tag: Freitag, 11. Februar
2005
Besuch der Holocaust-Gedächtnisstätte Yad Vashem
Nach dem Morgengebet und dem Frühstück bei den Schwestern
in Abu Gosh fahren wir nach Yad Vashem, in der Nähe von Jerusalem.
Achim Buckenmaier und Winfried Phillip führen uns zunächst
in das "Tal
der Gemeinden". Das ist ein Labyrinth aus hohen Steinquadern,
die die Namen der vernichteten jüdischen Gemeinden tragen aus Deutschland
und aus ganz Europa, von Amsterdam und Paris bis Minsk, von Berlin bis
Thessaloniki, über 100 Gemeinden.
Wir sehen den Kranz des Bundespräsidenten Horst Köhler, den
er vor wenigen Tagen hier niedergelegt hat, darüber "Hechingen",
die Heimat von Achim Buckenmaier. Jeder von uns entdeckt Namen von Orten,
die er gut kennt und wo eine jüdische Gemeinde vernichtet wurde.
Ein Plakat mit einer zerbrochenen Puppe führt uns zu der Gedächtnisstätte
für die 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kinder. Im Eingang
sehen wir überlebensgroße Kinderbilder, mehrfach gespiegelt.
Dann gelangen wir in
einen dunklen Raum, ein Sternenhimmel mit unzähligen Lichtern.
Es sind kleine, brennende Kerzen, die von allen Seiten, auch von oben
und unten, gespiegelt werden. Wechselnde Stimmen verlesen die einzelnen
Namen der getöteten Kinder.
In einer anderen
Halle der Holocaust-Gedächtnisstätte sind die Namen aller
Konzentrationslager im Boden eingemeißelt.
Daneben eine Parkanlage, die "Allee der Gerechten der Völker".
Für jeden Nicht-Juden, der während der Nazizeit unter Lebensgefahr
einen Juden rettete, ist hier ein Baum gepflanzt mit einer Namenstafel.
Das historische Museum, das die Schrecken des Holocaust mit Bildern
dokumentiert, ist neu gebaut worden und soll in wenigen Wochen eröffnet
werden.
Jerusalem: Gang über die Via Dolorosa
zur Grabeskirche
Gegen 15 Uhr erreichen wir Jerusalem. Durch das
Löwentor gehen wir zur Via
Dolorosa, dem Kreuzweg Jesu. Es ist eine enge, steinerne Gasse,
stufenförmig führt sie hinauf. Rechts und links Andenkenläden,
aber auch Eingänge zu Kapellen und Pilgerhospizen.
Wir betreten ein Haus, in dem sich vermutlich der Gerichtssitz
des Pontius Pilatus befand und wo Jesus zum Tode verurteilt wurde.
Wir sind die einzige Pilgergruppe und beten gemeinsam aus unseren Kreuzwegheften.
Eine Kapelle erinnert an die Stelle, wo Veronika Jesus das Schweißtuch
reicht. Nachdem die wöchentliche Prozession der Franziskaner mit
vielen Menschen aller Hautfarben vorbeigezogen ist, dürfen wir
eintreten und beten.
Die Ordenschwester, die für die Kapelle sorgt, ist eine Kölnerin.
Später verabschiedet sie uns mit "Tschüßchen".
Wir erreichen die Grabeskirche.
Dazu schreibt Edeltraud Ruckert in ihrem Brief vom 14.02.05:
"Fast ein Schock war die Grabeskirche: weite Hallen, größere
und kleinere Räume, alle ineinander übergehend und durchweg
düster. Als wir dort ankamen, feierte gerade eine armenisch-orthodoxe
Schar von Priesterzöglingen mit ihrem Popen lautstark eine Liturgie
- und keine 20 Meter daneben spielte eine Orgel zu einer katholischen
Messe in einer Seitenkapelle. Es war chaotisch und spiegelte die Zerrissenheit
der Christenheit sehr eindrucksvoll wider."
Unser Abend im Beth Shalmon
war sehr bewegend. Wir saßen mit über 50 Personen in einem
großen Kreis gemeinsam mit den Bewohnern Christine und Manfred
Groß, Hermann Jaklitsch und natürlich Winfried Philipp, der
nun wieder zu Hause war. Aus dem Kibbuz Tsuba war Joel
Dorkam gekommen. Seine Frau war leider erkrankt.
Manfred Groß erzählte vom Urfelder Kreis. Herr Dorkam schilderte
seinen Lebensweg und die Geschichte des Kibbuz Tsuba. Über das
Haus Beth Shalmon sagt er: "Es ist ein Symbol der Hoffnung."
Christine Groß bewirtete uns mit Zitronenlikör aus eigener
Herstellung und schenkte jedem zum Abschied wunderbar frische Zitronen
vom eigenen Baum.
|
|
|
|
9. Tag: Samstag, 12. Februar
2005 - Shabbat in Jerusalem
Durch das Zionstor gelangen wir in das Jüdische Viertel. Nach
einer Kontrolle dürfen wir zum Tempelvorplatz mit der Klagemauer.
Es ist sehr ruhig hier. Die wenigen Menschen, die wir sehen, sind meist
orthodoxe Juden. Die Männer erkennt man an ihren großen,
schwarzen Hüten, an ihren eleganten schwarzen Mänteln und
an den Schläfenlocken. Es sind überwiegend junge Menschen,
geistvolle Gesichter.
Sie nehmen das Shabbat-Gebot so ernst, dass sie an diesem Tag nichts
bei sich tragen. Obwohl es heute regnet, nehmen sie keinen Schirm. Die
Hüte sind vielfach mit Plastik verhüllt, um sie gegen die
Feuchtigkeit zu schützen.
Wir versammeln uns im Abendmahlssaal.
Achim Buckenmaier liest das Johannes-Evangelium.
Später führt uns Winfried Philipp durch das dichte Gewirr
der Gassen und Gässchen. Hier wurde im Unabhängigkeitskrieg
jedes Haus umkämpft. Einzeln und in kleinen Gruppen gehen wir zum
Bus zurück. Es ist himmlisch ruhig im Altstadtviertel der Juden:
Sabbath.
Um 18 Uhr feiern wir einen Vorabendgottesdienst in
der Kapelle der
Schwestern in Abu Gosh
Wieder ein gemeinsamer Gottesdienst der Pfarreien St. Ambrosius und
St. Ulrich.
Am Altar stehen drei Priester: Pfarrer Joachim Lang, Pfarrer Igo Gassner
und Pfarrer Achim Buckenmaier.
Sprecher Vorsänger und Schola stammen aus beiden Pfarrgemeinden.
Bernhard Schumacher musiziert.
Der Abschlussabend unserer Israelreise
Von den vielen Ereignissen unserer Israel-Fahrt möchte ich eines
näher beschreiben, den Abschluss-Abend am Samstag, 12.02.05.
Nachdem wir am Vormittag den Tempelplatz
in Jerusalem erlebt hatten, kehrten wir am frühen
Nachmittag nach Abu Gosh zurück. Am Abend feierten wir einen feierlichen
Gottesdienst in der Kapelle der Schwestern.
Anschließend begaben wir uns in den Speisesaal, wo uns Frau
Namati Abdul-Rachmann und ihr Mann herzlich begrüßten.
Sie erinnerten sich noch gern an ihren Besuch in Kochel und begrüßten
voll Freude Schwester Waltraud. Damals hatte Namati in der Hauswirtschaftsschule
ein Essen gekocht, zu dem auch die St. Anna-Schwestern eingeladen gewesen
waren.
Heute hatte Namati für uns gemeinsam mit ihrem Mann ein arabisches
Essen zubereitet:
Lamm-Suppe mit feiner Gemüseeinlage, Hähnchen und eine Fülle
frischer bunter Salate. Zum Abschluss servierte sie selbstgebackene
kleine arabische Kuchen, dazu Mokka in zierlichen Tässchen.
Zwischen den einzelnen Gängen erklärte uns Namati die Zubereitung
der Speisen. Z. B. müssen alle Zutaten ganz frisch sein.
Im Laufe des Abends besuchte uns der Bürgermeister
von Abu Gosh, Namatis Schwager.
Auch er erinnerte sich gern an seinen Besuch in Kochel, wo er Bürgermeister
Englert kennen gelernt hatte.
Ins Englische gedolmetscht von Namati erzählte er uns von seinen
Bemühungen um Frieden zwischen Arabern und Israelis. Einmal waren
fremde Araber in Abu Gosh eingedrungen und hatten Steine geworfen. Daraufhin
hatte er sie aufgesucht und überreichte ihnen drei weiße
Rosen mit den Worten: "Ihr werft Steine, und dafür bringen
wir euch Rosen."
Nach dem Essen erzählte uns Nemethy ihre Geschichte. Als sie drei
Monate alt war, gaben ihre Eltern, Moslems, sie in ein Heim zu katholischen
Schwestern. Dort lebte sie sehr gern. Nach einigen Jahren gaben ihre
Eltern sie in andere Schulen und verheirateten sie im Alter von 14 Jahren
mit ihrem jetzigen Mann. Sie bekam drei Töchter (die Älteste
ist jetzt 14), und vor sechs Monaten wurde ihr Sohn geboren.
Der Friede zwischen Arabern und Israelis ist dem Ehepaar ein großes
Anliegen. Nach langen Überlegungen kamen sie überein, unterschiedliche
Gruppen zum gemeinsamen Essen einzuladen, weil sich dabei am ehesten
die Spannungen überwinden lassen.
Nemethy ist zwar Moslemin, steht aber dem katholischen Glauben sehr
nah. Ihre beste Freundin sei Schwester
Catherine, die Oberin der St. Josephs-Schwestern
in Abu Gosh.
Auch in Moza Illit ist sie gern zu Gast. Viele Grüße bestellt
sie an Frau Wallbrecher und Rudolf Pesch, Menschen, die ihr sehr viel
bedeuten.
|
|
|
|
|